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Bilderbuchtipps von 0 - 99


 Walter kriegt Besuch

 

*Buchtipp von Ulrike Bergsmann*

Walter kriegt Besuch und wir leiden mit ihm. Denn Daisy, seine Freundin, ist ein äußerst „hilfsbereiter“ Besuch. Sie saust wie ein Wirbelwind in seine Wohnung und beginnt sofort, ihm bei seinen häuslichen Tätigkeiten zu helfen. Sie bäckt Zitronenkuchen, sie flickt seine Hose, wobei sie zwei RIESIGE Löcher zunäht, die, wie Walter entsetzt feststellen muss, eigentlich die Löcher für die Beine waren. Daisy schneidert sogar eine neue Hose für Walter. Der Stoff dafür

gefällt ihm besonders gut. Bei der Morgengymnastik merkt Walter, welch herrlicher Sonnenschein durch das hosenförmige Loch in seinen Vorhängen fällt.

Und hier nun meine Lieblingsseite:

Doch Walter behält die Contenance. Sogar, als Daisy ihm fast die ganze Schokolade weggegessen hat und sich ein RIESIGES Stück vom Kuchen nimmt.

Erst als Walters wunderschöne neue Teekanne zu Bruch kommt, schickt er Daisy in den Garten hinaus, um sich wieder ein bisschen von ihr zu erholen. Er bittet sie, die Karotten zu gießen. Jetzt kann er endlich in Ruhe aufräumen.

Aber es wäre nicht Daisy, wenn sie es nicht schaffen würde, auch draußen für Chaos zu sorgen. Sie flutet Walters Garten. Und jetzt zeigt Walter wahre Größe, wenn auch ein wenig die Größe der Resignation: statt den gefluteten Garten wieder trockenzulegen, dreht Walter die Gartenhütte einfach um und sie segeln damit durch den Garten. Denn Daisy ist ja doch, trotz allem, seine allerbeste Freundin.

Ich habe dieses Buch schon öfters mit Kindern angeschaut und es vorgelesen, bisher haben alle  es geliebt. Walter und Daisy sind so liebenswerte Wesen, man fühlt mit Walter mit und gleichzeitig mag man Daisy, obwohl sie so eine Chaotin ist.

Bluebird von Bob Staake
Bluebird Book Cover


Ein ♥- Buch von Christa Öhlinger

Besonders an diesem Buch ist: Die Illustrationen sind für mich: „Like nothing you have seen before! “ 


Ein Wordless Picture Book , das sehr tiefgründig erzählt:
Von Einsamkeit, Mobbing, Gewalt und von der Kraft der Freundschaft über den Tod hinaus.
Es lässt uns mit einem Kloß im Hals und mit Tränen in den Augen zurück.

Meine Lieblingsszene zeigt: Die Bluebird – Perspektive auf Manhatten ( Central Park)
nach Entfernen des Schutzumschlages.

Das Buch heißt: Bluebird und wurde vom amerikanischem Autor und Illustrator Bob Staake
in 10 jähriger Arbeit illustriert.
Staake ist überzeugt davon, dass er für das Erzählen dieser Geschichte  geboren wurde:
"I try to write and illustrate in unexpected ways all the time in an effort to keep myself engaged, challenged,
and out of my comfort zone.“

Erschienen ist Bluebird 2013 bei Schwartz & Wade.

 

Der schwarze Hund von Levi Pinfold

Levi Pinfold lebt in einem Haus in Cornwall, in dem es spukt. Er hat selbst aus einem Autofenster heraus einmal einen schwarzen Hund gesehen. Aber vielleicht war es auch ein Panther, so ganz sicher ist er sich da nicht... so steht es im Klappentext.
Vorstellen kann ich mir das gut, wenn ich seine Illustrationen anschaue: Ein Haus wie ein Turm, einsam im winterlichen Wald, es könnte spuken dort drin.
Ja drin: Eine Art Villa Kunterbunt zum Entdecken, Gruseln, Schmunzeln...so ein Kinderzimmer hätte ich auch gerne gehabt und überhaupt - der Charme des Chaotischen, Kreativen mit der Hingabe zum Detail durchweht die Räume, von denen ein unheimlichen Zauber ausgeht. Gerne würde man den (verschütten) englischen Tee kosten!
Und die Geschichte: Ein schwarzer Hund taucht auf und will die Familie Hoop besuchen.
Aber die machen sich vor Angst fast in die Hosen:  Mit jedem Familienmitglied, das den Hund draußen entdeckt, wird der Hund größer und größer (zu sehen und zu lesen auf der linken Bilderbuchseite in Sepiaminiaturen!): von Tiger- zu Elefantengröße, wächst er gar zu Tyrannosaurus Rex - Dimensionen heran - ein riesiges Auge glotzt zum Badfenster herein, schwarzes Fell vor dem Kinderzimmerfenster - Angst und Schrecken breiten sich aus und alle verstecken sich unter einer Decke.
Alle?
Klein (wie kurz), das jüngste Mitglied der Familie geht trotz eindringlicher Warnungen nach draußen: "Dort beugte sich der schwarze Hund zu ihr hinab und ATMETE. Meine Güte, du bist WIRKLICH groß, sagte Klein...
Also gut, wenn du mich fressen willst, musst du mich erstmal kriegen."
Und dann beginnt eine witzige Verfolgungsjagd durch Schnee und Eis über einen skurrilen Spielplatz bis nach Hause durch die Katzenklappe. Dabei singt Klein in meiner Lieblingsszene:
"Du bist zu schwer, das Eis ist dünn, nimm lieber ab, sonst bist du hin."

Und tatsächlich: mit jedem Reim von Klein wird der Hund kleiner, bis er unglaublicherweise durch die Katzenklappe passt.
Die Familie hat sich in der Zwischenzeit verbarrikadiert, erkennt dann aber, dass bei genauerer Betrachtung der Hund weder böse noch gefährlich zu sein scheint...
"Da war nichts, vor dem ich mich hätte fürchten müssen", stellt Klein Hoop zu guter Letzt fest.
Es gibt Bücher, die rühren uns an - ein Glücksfall, wenn wir sie finden...

Armstrong von Torben Kuhlmann

Armstrong Book Cover
Den Buchtrailer finden sie hier.

Dies ist die Geschichte der abenteuerlichen Reise einer Maus zum Mond.


Dass die Maus hoch hinaus will, wissen wir schon aus dem Erstlingswerk Kuhlmanns – „Lindbergh“.
Die Leidenschaft des Hamburger Autors und Illustrators für das Zeichnen von kuriosen Maschinen, Flugzeugen aller Art und dampfenden Eisenbahnen begann schon in seiner Schulzeit.
Mit Bleistift und Aquarellfarben lässt Kuhlmann das Flair der 50er-Jahre detailgetreu, wie in alten Sepiafotografien wiederauferstehen – einfach nur genial!

Auf ganz- und halbseitige Illustrationen folgen gerahmte gemalte „Fotografien“, das erinnert ein wenig an ein (damals noch nicht erfundenes) Fotobuch.


Während die gesamte Mäusesippe einem Käsemondkult anhängt, steht der kleinen Maus der Sinn nach Höherem – in alten Archiven, Büchern und sogar an der Universität eignet sie sich das Wissen für den erträumten Flug zum Mond an. Kreative und kühne Ideen und Konstruktionen bringen die Maus immer näher an ihr ersehntes Ziel. Selbst Explosionen und Bruchlandungen können ihren Enthusiasmus nicht stoppen – bis das Unmögliche gelingt …
Ein Buch zum Schauen, Schauen, Schauen … jede Seite eine Überraschung, der Text einmal schwarz, einmal weiß auf dunklem Grund, verblüffende Einblicke und schwindelerregende Perspektiven, Beihnahekatastrophen und ausgefeilte Tüfteleien, schwereloses Schweben im Orbit und die Annäherung an einen riesenhaften Mond, … unglaublich realistische Bilder – metallischer Glanz, Spiegelungen, Schatten und Licht … fantastisch …

Gute Kinderbücher sollen auch Erwachsene faszinieren – „Armstrong“ gehört für mich dazu!

 

 

*Vorgestellt von Christa Öhlinger*

Schon das Cover ist faszinierend; Der Schriftzug, das mittelalterliche Stadtlabyrinth - verheißungsvoll!
Und dann: Aufblättern,  Duft einsaugen, mit den Augen hineinfallen - verschlungene Wege einschlagen, verirren, aus Sackgassen umkehren, Ausgänge finden,  wilden Tigern im Dschungel ausweichen, schwitzend das Meer erreichen, sich im Gewirr der Gassen verlieren, treppauf und treppab hetzen, auf futuristichen Straßen entlangbrausen... Abgründe vor Augen und lauernde Ungeheuer.
16 doppelseitige Labyrinthe in verschiedenen Schwierigkeitsgraden warten auf mutige und geduldige "Pfadfinder", auf Kinder und Erwachsene, die sich mit Haut und Haaren auf die vielschichtigen Illustrationen des französischen Animationskünstlers Thèo Guignard einlassen.
Guignard ist Absolvent der berühmten GOBELINS, l’école de l’image in Paris:
http://www.gobelins-school.com/our-fields-competences

Abstrakte, architektonische, comicartige und geometrische Gestaltungslemente machen dieses Buch zu einem besonderen Erlebnis: jede Seite ein grafisches, farbintensives Kunstwerk.
Das Prinzip "Labyrinth" braucht keine Erklärung - es gibt keinen begleitenden Text, nur die Auflösungen am Buchende.


Bildergebnis für warten auf goliath antje damm


*Vorgestellt von Claudia Kronabethleitner, Büchereileiterin in der Bibliothek Bad Ischl*

Ein wunderbares Buch zum Thema Freundschaft von Antje Damm!
Bär sitzt auf einer roten Bank an einer Bushaltestelle und wartet geduldig auf seinen Freund Goliath. Stellvertretend für alle Zweifler meldet sich immer wieder ein Rotkehlchen zu Wort, das Bärs Unterfangen in Frage stellt.

Doch Bär lässt sich nicht beirren: Er weiß, sein Freund wird kommen.
Bär ist sehr geduldig, denn er wartet sehr lange. Wie lange er wartet, lässt sich am Baum neben der Bushaltestelle ablesen. Anfangs trägt er Blüten, später Blätter und Früchte. Junge Rotkehlchen kommen in einer Astgabel zur Welt, die Blätter verfärben sich und die Vögel fliegen in den Süden. Schließlich verliert der Baum die Blätter, es wird Winter und Bär hält seinen Winterschlaf.

Als Goliath im Frühling endlich eintrifft – sein Kommen kündigt sich durch ein leises Geräusch an, so wie wenn man über ein Papier streicht (meine Lieblingsstelle!) – hat Bär schon eine Idee, was die beiden miteinander machen könnten!


Man muss schon genau hinsehen, um Goliath auf diesem Bild zu finden, aber ein kleines Geheimnis soll ja noch bleiben!

Die Illustration des Buches erinnert an ein Bühnenbild: Einzelelemente aus Karton als Kulisse, ausgeschnittene Figuren sind eingefügt, alles ist färbig gestaltet, beleuchtet und schließlich fotografiert.  Mit nur wenigen Veränderungen und durch die unterschiedliche Ausleuchtung ist der Lauf der Zeit wunderbar nachzuvollziehen. Sehr schön finde ich, das Antje Damm auch den Vorsatz in die Illustration einbezogen hat: die Straße zur Bushaltestelle, auf der Bär im Nachsatz Spuren hinterlässt.